Spielerische Einleitung mit Sevofluran im Kindersaal
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Mit dem Sevofluran kann man den Patienten schnell per Maske einleiten. Dies ist besonders in der Kinderanästhesie ein großer Vorteil, gelegentlich kann es auch bei den Erwachsenen angebracht sein. Sevofluran fließt nicht nur schnell ein, es richt auch nicht so unangenehm wie allen anderen volatilen Anästhetika. Die schnelle Einleitung erfordert eine hohe Anfangskonzentration, ohne Beimischung vom Absorber. Effektiv muß das System halboffen sein, also mit einem hohen flow und einen offenen Ventil. Die folgende Schritte werden empfohlen:
 

1. Ohne den Verdampfer aufzumachen werden erst 2 l O2 und danach 6 l N2O eingestellt. Danach wird nur der O2-Gehalt auf null gedreht - die Lachgaszufuhr folgt automatisch (Sinn der Sache: Wir müssen für den Anfang dann nur noch Sauerstoff auf 2 l drehen).

2. Der Sevofluran-Verdampfer wird auf Höchstleistung (8%) gedreht - aber so lange kein Flow durchgeht, kommt auch kein Sevofluran in die Umwelt hinaus.

3. Der Flugsimulator wird gestartet (siehe unten). Dazu erfolgt die Absaugung der Dobbelmaske.

4. Der Sauerstoff wird auf 2 l gestellt, Lachgas und Sevofluran folgen automatisch und somit beginnt die Inhalationseinleitung.

5. Nach einem halben Minute erfolgt die Schlafinduktion. Jetzt müssen drei Sachen geändert werden: Der Flow reduziert (z.B. 1,2/2,8), die Sevofluran-Konzentration reduziert (z.B. auf 5%, später auf noch weniger) und das Ventil muß eine vorerst assistierte Beatmung ermöglichen (z.B. auf 20).


Der Flugsimulator:

Das Kind wird eingeschleust "jetzt gehen wir in das Spielzimmer," dort haben wir ein Fliegermodell mit dem man weit weg fliegen kann. Im Vorraum wird geklärt, wohin wir denn fliegen sollen: Zu den Löwen und Elefanten in Afrika, den Tigern in Indien oder den Kängurus in Australien? Zu den Kinderschändern in Nordamerika fliegen wir nicht gern. Wer zu den Affen möchte, hat es auch nicht weit. Bei uns ist der Kunde nicht König, sondern Kapitän. Die Stewardesse (oder der Steward) in Kabine 2 haftet vorsorglich bereits jetzt die 3 Ordner an die Brust des tapferen Abenteuers. Der Co-Pilot geht ins Cockpit und sucht die passende Maske aus, mit dem der Kapitän weit in die Höhe fliegen kann, der Bedarf dafür wird erklärt. Alles ist bereit, man erlaubt uns auf das Rollfeld zu fahren, die Motoren (die Doppelmaske) werden gestartet, man spürt den Luftzug im Gesicht, es riecht ein Wenig nach Benzin (Kerosin kennen die Kinder nicht, auch Benzin fehlt noch oft in Ihrem Begriffsschatz), jetzt heben wir ab, die Häuser werden ganz klein, das Sichtfeld verworren, wir schalten lieber den Autopiloten ein.

"The rest is silence" (Shakespeare: Hamlet's Schlussreplik).

J. Schou, Co-Pilot,
I. Lösle, Stewardess
Lörrach den 20.10.99
In Homepage 1.11.2000
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